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Pfarrer                                 Diakonin

Jürgen Knöbl                         Miriam Schönle


ANSPRACHE-aktuell

 

Wie Lachen uns aufbaut

1.

Mit dem letzten Nagel beginnt das Verhängnis. Das erzählt gerade die Fernsehwerbung eines Baumarkts. Ein Mann will den letzten, großen Holznagel einschlagen, von dem er meint, dass der dann alles ordentlich zusammenhält. Und wie er noch schlägt, geschieht das Verhängnis: Das ganze größere Holzhaus stürzt ein und begräbt den Mann unter sich. In der Nähe schaut sein Kind erschrocken zu.

Aber dann: Der Mann steht wieder auf aus den Trümmern, streckt sich, wischt sich ein wenig Dreck von seinen Kleidern und beginnt – laut zu lachen. Das Kind lacht mit. Und eine Schrift erscheint, die sagt uns Zuschauern: „Bereue nichts.“

2.

Ist das wirklich so? Sollen wir nichts bereuen? Natürlich sollen wir. Vor allem in der Passionszeit und Fastenzeit, wenn man doch schon mal in sich gehen und sich fragen könnte: Was könnte ich falsch gemacht haben? Wem sollte ich verzeihen? Wen müsste ich vielleicht um Entschuldigung bitten? Und: Bin ich Gott wirklich so Recht, wie ich oft zufrieden bin mit mir, mir richtig erscheine?

Natürlich bereue ich einiges von dem, was ich getan habe. Und es tut mir leid. Es ist zwar noch kein Holzhaus über mir zusammengestürzt, aber manche Pläne und Absichten schon. Mitunter habe ich Menschen auch sehr wehgetan, ob ich das noch wissen will oder nicht. Manches habe ich schon bereut von dem, was ich angerichtet habe; auch zutiefst bereut. Reue ist gut und bringt Menschen weiter.

3.

Lachen aber erst recht. Vor allem das Lachen über sich selbst. Davon kann es nicht genug geben unter Gottes weitem Himmel. Wir sind manchmal lachhaft. Nicht unbedingt lachhaft für andere. Aber doch für uns selbst. Der wirklich gute Plan, die kolossale Absicht, das laute Hurra bei Beginn unseres Werkes – wie haben wir uns darin verbissen. Auch unser Gesangbuch weiß ein Lied davon zu singen (EG 497,3): Es fängt so mancher weise Mann ein gutes Werk zwar fröhlich an und bringt’s doch nicht zum Stande. Dann geht die kolossale Absicht schief, geht mit Schwung schief. Womöglich peinlich schief. Und man wird zornig auf was auch immer.

Besser wäre es, laut zu lachen. Über sich selbst und den großen Anspruch, über das Verbissene und das noch größere Misslingen. Ein Scheitern der Extraklasse, sozusagen – wie im Werbefilm das geborstene Holzhaus. Zorn hilft da vermutlich wenig. Lachen könnte mehr helfen. Wer weiß, wie oft Gott schon geschmunzelt hat über meine Pläne, mein Gerede und Getue, bei dem wenig oder nichts herauskam. Und wenn Gott lacht, kann ich das auch. Kräftig über mich lachen. Das baut mich wieder auf.

Michael Becker
mbecker@buhv.de



Aus dem Pfarramt der Matthäusgemeinde grüßen herzlich

Pfarrer Jürgen Knöbl                                 Diakonin Miriam Schönle                        Sekretärin Monika Müller