Pfarrer

Ordinationsjubiläum 1985 - 2010

Pfarrer KnöblLiebe Leserinnen, liebe Leser,

vor 25 Jahren wurde ich auf Anordnung unseres Landesbischofs in der Ausbildungsgemeinde Ettenheim von meinem Lehrpfarrer Eberhard Günther ordiniert - das heißt: zum Dienst als Pfarrer in die Badische Landeskirche berufen und eingesegnet.

Ich denke, das ist ein Grund zum Dankbarsein, aber auch zum Innehalten und Nachdenken: Wie hieß es und was heißt es noch, sich mit all seinen Kräften und Gaben in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen?
Der Pfarrerberuf ist auf der einen Seite ein Beruf wie jeder andere auch. Er erfordert eine lange Ausbildungszeit, bietet Vor– und Nachteile, bringt Freude und Leid, beinhaltet manche Freiheit neben weitgehenden Bindungen und Verpflichtungen. Auf der anderen Seite aber hat dieser Beruf eine unvergleichbare Verantwortung und einen hohen Anspruch.
Ein schwacher, fehlerhafter Mensch ist tätig als Bote Gottes. Er darf und muss Gottes Wort den Menschen seiner Gemeinde ausrichten, „Evangelium“ = Frohe Botschaft verkündigen. Dies führt in Spannungen, die einen Menschen fast zerreißen können. Es beginnt immer mit dem eigenen Hören und Lesen der Bibel. 
Habe ich richtig verstanden, was da steht? Bin ich mir sicher mit der Bedeutung für die heutige Zeit? Predige ich wirklich Gottes Wort oder nur meine eigenen Ansichten? Respektlos ausgedrückt: Verwechsle ich nicht meinen eigenen Vogel mit dem Heiligen Geist?

Es ist klar, dass ich nicht nur als erster das Evangelium höre, sondern auch als erster die Vergebung brauche. Ich schreibe das nicht leichtfertig. Wer verkündigt, steht in besonderer Verantwortung vor Gott und muss dafür Rechenschaft ablegen. Man könnte manchmal verzagen. Manche Dienste werden einem bitter schwer. Dass wir einen Talar anziehen, ist ein hilfreiches Zeichen dafür, dass wir nicht selbstherrlich, sondern im Auftrag Gottes reden. Hilfreich ist auch, dass zu allen Zeiten ganz klar festgehalten wurde: die Gültigkeit des Dienstes, also etwa eine Taufe oder die zugesagte Vergebung beim Abendmahl, ist nicht abhängig von meiner Würdigkeit oder Integrität. Ich darf mich bei allem Tun daran festhalten, dass ich in meiner Ordination nicht nur beauftragt, sondern auch gesegnet wurde. Das macht Mut und gibt Kraft, weiterzumachen in diesem schweren, schönen Dienst.
Es grüßt Sie
Ihr Pfarrer Jürgen Knöbl



Jürgen Knöbl erhielt nach den Jahren als Vikar seine erste Pfarrstelle in Ühlingen-Birkendorf und Grafenhausen im Hochschwarzwald. Dort blieb er 20 Jahre.
2006 ist er mit seiner Frau Marga und Tochter Carina ins badische nach Steinbach ins Pfarrhaus eingezogen.